Die Zugreinigung ist eine etwas undankbare Aufgabe – könnte man meinen. Die beiden Profis Reto Schneuwly (RS) und Adrian Müller (AM), die bei der asm im Depot Langenthal für das Putzen der Züge verantwortlich sind, sehen das nämlich ganz anders.
Adrian und Reto, wie wird man Zugreiniger?
AM: «Ich habe Schreiner gelernt und danach in verschiedenen Bereichen wie Logistik, Mechanik oder im Transportwesen als Allrounder gearbeitet.»
RS: «Und ich war schon als Gemeindearbeiter, Betriebspraktiker im Grünunterhalt, bei der Wasserversorgung oder im Strassenunterhalt tätig.»
AM: «Und jetzt sind wir gemeinsam in der Zugreinigung angekommen.»
Erzählt mal von eurer Arbeit, was nehmt ihr als Erstes in Angriff?
AM: «Ich sauge mehrheitlich die Wagen: Polster, Böden, Gepäck- und andere Abdeckungen.»
RS: «Ich putze zuerst die Fensterscheiben und nehme anschliessend den Boden auf – gemeinsam mit Adrian.»
Welches sind eure grössten Herausforderungen?
RS: «Fäkalien und Erbrochenes putzen ist sehr unangenehm. Es gibt Menschen, die haben einfach keinen Respekt. In solchen Fällen muss das gesamte Abteil von Grund auf gereinigt werden – so etwas müsste eigentlich nicht sein.»
AM: «Anspruchsvoll ist die Reinigung der Zwischenräume, in die man mit normalen Putzgeräten fast nicht kommt. Hierfür haben wir uns etwas einfallen lassen und ein eigenes Werkzeug kreiert – damit gelangen wir auch an Orte, die schwierig erreichbar sind.»
Und was gefällt euch am besten?
RS: «Ich liebe die Teamarbeit – und zwar sowohl mit Adrian als auch mit den Mechanikern und den Stromern. Wir kommunizieren sehr gut, damit wir alle vorgegebenen Pläne einhalten können.»
AM: «Ich kenne die Stärken von Reto – und er kennt meine. So können wir uns die Arbeiten gut untereinander aufteilen. Ich schätze es, dass wir alles in Eigenregie erledigen können. Wir wissen, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen. Mein Anspruch ist es, den Passagieren die Züge blitzblank zu überlassen. Ein frisch gereinigter Zug ist unsere Visitenkarte.»
«Ich liebe die Teamarbeit – und zwar sowohl mit Adrian als auch mit den Mechanikern und den Stromern.»
Reto Schneuwly
Besteht das Reinigungsteam nur aus euch beiden?
RS: «Für die Züge sind wir ganz allein verantwortlich. Wenn einer von uns Ferien hat, springen unsere Kollegen ein. Wir können uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen.»
AM: «Neben der Reinigung sind wir auch für den Pikettdienst unterwegs. Im Winter befreien wir mitten in der Nacht die Weichen vom Schnee.»
RS: «Und ich übernehme ab und zu den Kurierdienst und mache Ferienablösung in der Kehrichtumladestation. Das ist eine willkommene Abwechslung – ich mache das gerne.»
Als Zugreiniger seid ihr mehrheitlich im Hintergrund tätig – ist das aus eurer Sicht eher ein Vorteil oder ein Nachteil?
AM: «Ich habe kein Problem, dass ich als Person nicht sichtbar bin – viel wichtiger ist, dass es meine Arbeit ist.»
RS: «Ich fühle mich wohl im Hintergrund. Manchmal wäre aber gut, wenn die Leute sehen würden, was wir alles putzen – dann würden sie sich vielleicht überlegen, ob sie Snus-Tüten und Zigarettenstummel zwischen die Sitze schieben oder die klebrigen Energydrinks über die Sitze leeren …»
«Ich habe kein Problem, dass ich als Person nicht sichtbar bin – viel wichtiger ist, dass es meine Arbeit ist.»
Adrian Müller
Sauberkeit wird von den meisten Leuten als Selbstverständlichkeit angeschaut. Bekommt ihr genug Wertschätzung für eure Arbeit?
RS: «Unser Vorgesetzter Michael Rahn sagt uns regelmässig, wie zufrieden er mit unserer Arbeit ist – wir können uns also nicht beklagen. Jedes Lob tut einfach nur gut und motiviert.»
Wie wichtig ist das gute Einvernehmen mit den anderen Fachbereichen?
AM: «Es ist sehr wichtig! Wir funktionieren wie eine Familie, helfen einander und haben es manchmal auch lustig. Man merkt, dass die meisten Menschen gerne hier arbeiten – vom Lokführer bis zu den Leuten im Büro. Es herrscht allerorts eine positive und wohlwollende Stimmung.»
Zum Schluss habt ihr noch einen Wunsch frei.
AM: «Ich wünsche mir, dass sich das Konsumverhalten im Zug ändert – oder mit anderen Worten: mehr Respekt, bitte.»
RS: «Mein Wunsch? Dass wir weiterhin in den Entscheidungsprozess einbezogen werden, wenn neue Putzmittel und -geräte angeschafft werden. Das finde ich echt stark.»